Rettet das Huhn e.V. Newsletter

Rettet das Huhn e.V.
Übernahme schwer verletzter junger Hennen aus riesigem Betrieb
 
Bitte beachten:
Aufruf für Lebensplätze/Pflegeplätze und Unterstützung am Ende dieses Berichts!
 
Liebe Freunde von Rettet das Huhn e.V.,
 
Heute berichten wir euch von Geschehnissen, die im Februar 2019 begonnen und deren Schrecken uns mit großer Wucht getroffen haben, die uns die letzten 12 Monate begleitet haben und die bisher „hinter den Kulissen“ geblieben sind. Den richtigen, „unseren“ Weg im Umgang mit dieser Sache zu finden, hat uns viel Kraft und Zeit gekostet. Und heute – ein Jahr nach dem Beginn dieses „Kapitels“ wollen wir veröffentlichen, was geschehen ist und was weiter geschehen wird.
 
 
Anfang Februar 2019 beobachtete ein Teammitglied von uns -wir nennen sie hier Elisa, möchten ihren tatsächlichen Namen nicht nennen, um keine örtlichen Zusammenhänge herstellbar zu machen und die Anonymität des Betriebs zu schützen- zufällig die Anlieferung von jungen Legehennen in einem großen Bodenhaltungsbetrieb in Norddeutschland. Sie hielt an, um zu fragen, ob sie ein paar aussortierte, für den Legebetrieb zu schwache Tiere mitnehmen dürfe. Wider Erwarten stieß sie auf zurückhaltende, aber dennoch positive Resonanz und kam ins Gespräch mit dem Farmleiter. Im Hintergrund arbeiteten die aus ausländischen Hilfsarbeitern bestehenden Einstalltrupps. 100 000 Hennen wurden in den Betrieb eingestallt, LKW um LKW entladen, zwei Tage lang. Elisa beobachtete irritiert und schockiert die großen Rollcontainer, in denen die Junghennen transportiert wurden: rundum aus Gittern bestehend, in mehreren Etagen übereinander, mit ebenfalls gitternen Zwischenböden, die Hennen darin ein Wust aus Flügeln, Köpfen, Hälsen Beinen, Krallen in den Gittern hängend…
 
Die Vorgänge im Stall, die Ausbringung der Tiere aus diesen Containern konnte Elisa nicht beobachten.
Der Farmleiter gestattete ihr, am Abend einige aussortierte Tiere abzuholen und sie brachte ihm dafür einige Transportboxen.
Als sie am Abend kam, saßen darin 5 Hennen in erbärmlichem Zustand. Eine kleine, noch kükenartige, völlig unterentwickelte Henne mit Kreuzschnabel und einem Gewicht von 480g, eine zweite schwache, stark unterernährte Henne, eine Henne mit offener Beinfraktur, eine weitere mit gebrochenem Bein und eine Henne, mit schweren neurologischen Ausfällen durch eine verletzte Wirbelsäule.
 
 
Schockiert berichtete Elisa im Team, was sie vorgefunden hatte, organisierte Notfalltierarztbesuche, musste die Henne mit dem offenen Bruch und die mit der Wirbelsäulenfraktur sofort euthanasieren lassen und versorgte die übrigen drei zu Hause. Die Einstallung lief auch noch am nächsten Tag weiter und der Farmleiter hatte Elisa zugesagt, dass sie auch dann wieder einige Hennen abholen dürfe. Und so setzte sich das Grauen fort.
Am nächsten Tag übergab der Farmleiter Elisa 12 Hennen mit teilweise mehrfachen Beinbrüchen und aus den Gelenken exartikulierten Beinen, eine mit einem alten Beckenbruch, eine mit einer alten Wirbelsäulenfraktur, 2 mit frischen Wirbelsäulentraumata und einen unversehrten, als Küken falsch gesexten jungen Hahn.
 
 
 
 
 
 
Für 10 der Tiere blieb nur die Erlösung durch Euthanasie. 2 Beinbrüche waren operabel und auch die Hühnchen mit den Wirbelsäulentraumata bekamen eine Chance, medizinische Versorgung und wurden in Traumabettchen stabilisiert und gepäppelt.
 
 
Obwohl die Einstallung mittlerweile beendet war, sortierten die Mitarbeiter des Betriebs in den kommenden Tagen noch weitere Opfer der Einstallung und des Transports aus dem Aufzuchtbetrieb aus den Ställen. Hennen, die normalerweise in den Kadavertonnen landen würden, und die sie nun in unsere Hände gaben. Hennen, die brutal aus den Transportboxen gerissen worden sein mussten, ohne Rücksicht auf eingeklemmte Beine oder Hälse, Hennen, die die Umstallung und den Transport schwer verletzt überstanden hatten und nun im Stall nicht an Futter und Wasser gelangten, Hennen, die schon aus dem Aufzuchtbetrieb mit alten Verletzungen oder völlig unterentwickelt und unterernährt kamen und nun zu schwach waren, um im neuen Betrieb zurecht zu kommen.
 
 
 
 
 
 
An Tag 3 nach der Einstallung holte Elisa einen unverletzten Hahn und 13 schwer verletzte Hennen ab. 6 teils offene Beinbrüche, 4 Hennen mit schweren Quetschungen und offenen Wunden an Flügeln, Rücken und Brust, 3 Hennen mit schweren Wirbelsäulentraumata. 7 der Tiere mussten wir direkt euthanasieren lassen.
 
 
 
 
 
 
Und so ging es weiter. Jeden Tag gegen Mittag standen die Tiere zur Abholung bereit, die am Vormittag auf den Kontrollgängen von den Mitarbeitern aussortiert wurden.
In schockähnlichem Zustand organisierten wir die tägliche Abholung der schwerst verletzten Tiere und den sofortigen Transport in alarmierte, bereitstehende Tierarztpraxen und Kliniken in Norddeutschland. Wir stellten Pläne auf, und organisierten so für jeden Tag Personen aus unserem Team, den Helferteams und auch aus Adoptantenkreisen, die mittags diese Abholung, die anschließenden Fahrten zum Tierarzt und die Unterbringung und Versorgung der überlebenden, pflegebedürftigen Tiere gewährleisten konnten. Nicht einfach – da die meisten von uns berufstätig sind, und wir auch nie wussten, wie viele Hühner am jeweiligen Tag herauskommen würden, um welche Verletzungen es sich handeln würde und welche Tierärzte dementsprechend am besten aufgesucht werden sollten, zumal die stationären Plätze für schwerverletzte und zu operierende Hühner bald belegt waren und auch die Praxen bei aller Fürsorge nach einiger Zeit ein Problem hatten, wenn wir wieder und wieder mitten in der Sprechstunde mit 5 oder mehr schwer verletzten Hühnern dort auftauchten.
 
 
 
 
 
 
Wir richteten eine eigene Aufnahmestation in Elisas Haus in der Nähe des Stalls ein, in der wir die Erstversorgung übernahmen, um durch Infusionen den stark dehydrierten Tieren zu helfen, die Fahrt in die Klinik noch zu überstehen.
Mit jedem Tag, der seit der Einstallung vergangen war, nahm die Zahl dieser dehydrierten, zu Tode geschwächten Tiere zu.
Elisas Haus glich einem Lazarett, voller verletzter, schwacher Hühnchen in Traumabettchen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wir organisierten Transporte der überlebenden aber noch pflegebedürftigen Tiere zu unseren Teammitgliedern in andere Bundesländer, und jeden Tag kamen neue…
In den vier Wochen ab Einstallungstag holten wir 117 Hennen und 4 Hähne aus der Anlage. 49 dieser Tiere konnten wir nur noch euthanansieren lassen oder sie starben in unseren Armen auf dem Weg zum Tierarzt.
Ab dann nahm die Anzahl der Tiere etwas ab, nicht mehr täglich konnten wir welche abholen, was unsere Planung nicht unbedingt erleichterte, da wir ja nie wussten, ob am nächsten Tag Tiere kommen würden oder nicht. Jeden Tag wartete Elisa auf den Anruf aus dem Betrieb, immer kurz vor Mittag, mit der Angabe, ob und wie viele Tiere sie für uns aussortiert hatten. Ungefähr acht Wochen nach der Einstallung war dann zu spüren, dass nun wohl die letzten Transportopfer, die nicht in unsere Hände gelangt waren, in der Anlage verstorben sein mussten.
Denn von nun an bekamen wir nur noch 1-3 mal pro Monat einen Anruf. Die Hennen, die wir dann holen durften, waren die „normalen“ Opfer, die in jedem Massentierhaltungsbetrieb während des Legejahres ungesehen, einsam und elend, sich selbst überlassen sterben.
 
 
 
 
 
 
Hennen mit schweren äußeren Verletzungen und Quetschungen, die in den Kotförderbändern hängen geblieben waren, Hennen, die in den Legenestern von ihren Artgenossinnen fast erdrückt worden waren, Hennen, mit schwersten Verletzungen durch Kannibalismus, Hennen mit akuter Legenot und geplatztem Ei im Legedarm, immer wieder Hennen mit Oberschenkelbrüchen, Wirbelsäulentraumata, neurologischen Störungen durch vermutete Schläge auf Kopf und Rücken, Hennen mit verdrehten Hälsen, abgerissenen Zehen, dehydrierte, stark gemobbte und fast verhungerte Tiere, und und und …
 
 
 
 
 
 
Bis Anfang Februar 2020 -ein Jahr nach der Einstallung- sind so 166 Tiere dieser Hölle entkommen und von uns abgeholt worden. Für 66 von ihnen kam unsere Hilfe zu spät.
 
100 von ihnen leben noch.
Darunter 13 erfolgreich operierte "Beinbrüche". Sie alle sind heute glückliche, geliebte Tiere und haben das Grauen, das ihnen damals geschah, mittlerweile hoffentlich längst vergessen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
166 Tiere von 100 000 in dieser Anlage.
Natürlich sind diese 166 nur ein Bruchteil derer, die in diesem Jahr in der Anlage gestorben sind und die uns nicht übergeben wurden. Wie viele genau in den Kadavertonnen des Betriebs gelandet sind, wissen wir nicht.
Klar ist aber, dass in solch riesigen Hallen, hier mit jeweils 25 000 Hennen pro Abteil auf engstem Raum sitzend, selbst von willigen Mitarbeitern, die bereit sind, verletzte oder schwache Tiere auszusortieren, nur die allerwenigsten dieser Tiere gefunden oder überhaupt erreicht/gegriffen werden können.
 
Die Organisation und Logistik war für uns die eine Sache, und bei aller Komplexität und Dringlichkeit, war es die leichtere. Die psychische Belastung war die andere Sache.
Wir sind durch unsere „normalen“ Ausstallungen Tierleid und den Anblick gequälter, schwacher und ärmster Tiere gewohnt, begegnen auch dort oft Tieren, für die unsere Rettung zu spät kommt und müssen mit unserer Trauer und unserer Wut umgehen.
Aber was uns hier begegnete, was wir hier realisieren und bewältigen mussten, war von einer anderen Qualität. Täglich so schwer verletzte, sterbende Tiere in den Händen zu halten, denen so furchtbare Gewalt angetan wurde, die so gebrochen und seelisch wie körperlich von Menschenhand verwundet worden waren. Tag für Tag, die Gestorbenen des letzten Tages noch nicht beerdigt und die Überlebenden noch nicht über dem Berg, schon wieder die neuen Opfer abholen zu müssen, zu dürfen… Tag für Tag dort hinzufahren, zu eilen, wissend, dass es sich bei einigen Tieren um Minuten oder wenige Stunden handeln konnte, die über ihr Überleben entscheiden konnten. Tag für Tag so hilflos vor diesen Tieren zu stehen, sie zu päppeln, zu hoffen und zu beten, dass sie anfangen würden zu fressen, ein bisschen zu trinken, die Augen zu öffnen, nachdem sie tage- oder wochenlang ohne Futter und Wasser verlassen zwischen den Füßen ihrer Artgenossen lagen, zerpickt wurden, eingeklemmt waren, mit gebrochenen Gliedmaßen wochenlang ausharren mussten, diese Tiere nun in Sicherheit bei sich zu haben, trösten, lindern und helfen zu wollen, sie weich zu betten und zu wärmen, die Nächte durch bei ihnen zu sitzen und dann so oft doch nur das Sterben begleiten zu müssen, weil die Kraft der Tiere nicht mehr reichte … Insbesondere unsere Elisa war über Wochen dieser immensen und traumatischen Belastung ausgesetzt.
 
 
Das weitere, was uns so unfassbar schockierte und erschütterte, war die Tatsache, dass es sich -zumindest in den ersten Tagen und Wochen nach der Einstallung- um 20 Wochen junge Tiere handelte. Um Tiere, die gerade zu legen beginnen sollten und von denen wir glaubten, dass sie zumindest zu diesem Zeitpunkt der grausamen, tierausbeutenden Industrie noch so viel „wert“ sein sollten, dass man sie schonend behandeln würde – wenn schon nicht, weil man ihnen als fühlende Mitgeschöpfe ein Recht auf Leben und Unversehrtheit zugestehen würde, dann doch aber wenigstens, weil man sie als „Kapital“ betrachtete, als gewinnbringendes Produktionsmittel. Doch nicht einmal das!!
Dies war ein Irrglaube und wir mussten realisieren, dass es diese schwer verletzten Tiere nicht nur bei den Ausstallungen gibt, wenn sie ohnehin nur noch wie Abfall behandelt und als wertloses, verbrauchtes Produktionsmittel in die Schlachthöfe geliefert werden, sondern dass es diese Opfer durch den rohen, barbarischen und lebensverachtenden Umgang mit den Tieren auch schon zu Beginn bei den noch jungen, unverbrauchten Tieren gibt. Diese Verluste sind eingeplant!! Das Leben jedes einzelnen Tieres ist NICHTS wert! Vom Schlupf an, vom ersten Tag seines mutterlosen, schutzlosen, dem Menschen vollends ausgelieferten Lebens an ist ein als “Nutz”tier misszeichnetes Tier wertlos, rechtlos und verloren!
Es war so unfassbar erschütternd zu realisieren, dass diese Tiere, die hier schwer verletzt mit gebrochenen Wirbeln, Becken und Beinen in unseren Händen lagen, am Tag zuvor noch kerngesunde, junge Hennen gewesen waren! Dass diese Verletzungen vermeidbar gewesen wären, dass sie durch rohe, dumme Gewalt von Menschenhand geschehen waren! Und diese Gewalt wird auch jetzt, heute, morgen, jeden Tag und in jeder Minute Millionen von Tieren auf unserer Erde angetan! Ohne dass ihnen jemand in ihrem Leid zur Hilfe kommt und ohne dass irgendjemand dafür zur Rechenschaft gezogen wird!! Ihr Leid wird gewissenlos eingeplant, regungslos von Politikern, Verbrauchern, Landwirten, Arbeitern zur Kenntnis genommen, und es geschieht einfach NICHTS!!!
 
 
Es ist so unfassbar unerträglich, ein vitales, junges, lebenswilliges Tier im Arm zu halten und zu tragen, mit ihm zu sprechen und zu warten, bis die Narkose wirkt und seine neugierigen Augen sich langsam schließen, damit der Tierarzt die Euthanasie vornehmen kann, weil der gesplitterte Bruch in seinem Bein nicht operabel ist. Was sagt man diesem Tier? Welche Erklärung, welche Botschaft kann man hier an diese Seele senden? Nichts fällt uns ein außer Scham, unendlicher Scham davor, ein Mensch zu sein.
 
 
Was sagt man einem Tier, das von Menschenhand brutal verletzt, mit schwerem Wirbelsäulentrauma seinen Kopf nie mehr wird heben können und dennoch leben möchte ?
 
 
Was sagt man einem Tier, das tagelang mit tiefen Wunden, geschwächt und hilflos auf Gittern unter den Füßen seiner Artgenossen lag ? Was sagt man ihm, wenn es gebrochen und zu Tode geschwächt nun hier bei dir unter der Wärmelampe liegt, die Augen etwas öffnet und nach Stunden beginnt, zaghaft ein bisschen Brei zu picken. Und was kann man noch fühlen, wenn am nächsten Morgen doch die Kraft nicht reicht und es sich auf den Weg macht, fort von dieser Welt?
Was kann man fühlen? Was kann man sagen?
 
 
Neben Logistik und neben der emotionalen Unerträglichkeit, tat sich uns sehr schnell noch ein ganz anderes großes Problem auf:
 
Durch diese Hennen in unseren Händen, durch die ganz offensichtlichen Opfer menschlicher Brutalität, waren wir zumindest indirekt zu Zeugen sicherlich strafrechtlich relevanten, tierschutzwidrigen Umgangs mit Tieren geworden.
Der erste Gedanke nach den tierärztlichen Diagnosen der ersten Hennen war also, dass wir Anzeige erstatten, die Behörden einschalten und die Vorgänge im Betrieb öffentlich machen müssten. Klar war aber auch, dass wir in dem Moment, in dem wir diese Schritte einleiteten, die Rettungsschleuse für weitere Hennen aus dem Betrieb augenblicklich zerstören würden. Klar war auch, dass dem Farmleiter, der ein Herz bewiesen und uns die Hennen herausgegeben hatte, schwere Konsequenzen drohen würden, denn sein Chef und der Konzern, zu dem der Betrieb gehörte, wusste zum damaligen Zeitpunkt nichts davon, dass er verletzte Tiere an Tierschützer gegeben hatte. Elisa, die nicht weit entfernt des Betriebs lebt, mit vielen eigenen Tierschutztieren in ihrem Haus, fürchtete böse Reaktionen der Einwohner der dörflichen Gemeinde, die sie natürlich in Verbindung mit der Sache bringen würden, sollte es zu Kündigungen oder anderen negativen Auswirkungen im Betrieb (als wichtiger Arbeitgeber der Region) kommen.
Wir ließen uns von zwei Anwälten beraten, führten Gespräche mit Tierschutzaktivisten, die in Undercover-Recherche und Aufdeckung von Straftaten in Tierhaltungsbetrieben arbeiten, sprachen mit Journalisten und kamen schließlich zu folgendem Resumee:
Eine Strafanzeige würde keinen Erfolg haben, da wir zwar die Opfer einer Straftat hatten, jedoch keinerlei stichhaltige Beweise. Wir hatten keine Augenzeugenberichte und konnten nicht einmal benennen, welcher Arbeiter zu welcher Zeit welchem Huhn welche Verletzung zugefügt haben sollte. Die Verletzungen könnten auch schon beim oder vor dem Transport im Aufzuchtstall bzw. bei der dortigen Umstallung geschehen sein. Legehennenbetrieb, Transportunternehmen und Aufzuchtbetrieb würden sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben, Beweise und Zeugen gab es nicht und unsere Anzeige würde mit fast hundertprozentiger Sicherheit eingestellt werden.
 
Für einen aufdeckenden Skandal-Bericht in den Medien fehlten uns bewegte und eindeutige Bilder aus dem Stall oder zumindest von der Übergabe der Tiere an uns. Diese Bilder von den Übergaben hätten wir durch heimliche Aufnahmen beschaffen können und so vielleicht einen mittelmäßig einschlagenden Bericht in den Printmedien bekommen können. Einen nennenswerten Imageschaden hätte der wohl kaum verursacht, da der große Konzern den betroffenen Betrieb als schwarzes Schaf, als Ausnahme darstellen würde und wir keine Beweise für derartige Vorfälle aus den vielen anderen (deutschlandweit angesiedelten) Betrieben des Konzerns liefern konnten.
Das wenige, was wir so erreichen konnten, würden wir damit bezahlen, den Farmleiter ans Messer zu liefern, Elisa in Gefahr zu bringen und die Rettung weiterer Hennen und einen eventuell positiven zukünftigen Einfluss auf den Betrieb zu zerschlagen.
 
Die Entscheidung gegen diese Schritte der Öffentlichmachung und Anzeige war schwer, schmerzhaft, von vielen Zweifeln, schlaflosen Nächten und auch von Konflikten innerhalb des Teams begleitet. Wir waren hier in etwas geraten, was unsere Nerven, unsere psychische Stabilität und unsere Gemeinschaft wirklich an ihre Grenzen brachte.
 
Heute – ein Jahr nach dem Beginn der Sache – stehen wir wieder sicher und gefestigt da, wissen, dass unsere Entscheidung richtig war, sind überglücklich über die geretteten Tiere, die leben, und fest entschlossen, den Weg trotz aller Schwierigkeiten weiter zu gehen und weiterhin für jedes Tier, das wir aus dieser Anlage herausbekommen können, da zu sein.
 
 
Gerade erst, am 8.Februar,  holten wir Nummer 165 und 166 ab. Sie haben ein Jahr dort überlebt, und sind nun durch unsere Schleuse ins Leben gekommen.
 
 
Und nicht nur die Rettung einzelner Tiere ist weiterhin möglich.
Im Laufe des Jahres hat sich -nicht zuletzt durch Elisas offenen, trotz der völlig gegensätzlichen Gesinnung freundlichen Umgang mit dem Farmleiter- einiges positiv verändert. An den ersten Tagen trugen Farmleiter und weitere Mitarbeiter die schwer verletzten Hennen vor Elisas entsetzten Augen an den Beinen aus dem Stall oder ihren Transportkörben entgegen. Elisa redete, bat bestimmt aber freundlich um tiergerechten, schonenden Umgang und wirkte insbesondere durch ihr schlichtes TUN, durch ihren Umgang mit den Tieren auf die Menschen ein. Sie guckten es sich ab, nahmen es an und entwickelten nach und nach zumindest ein rudimentäres Gefühl für die Lebewesen, mit denen sie hier tagtäglich und schon seit Jahren so gedankenlos und routiniert wie mit Gegenständen oder Maschinen umgingen. Schon bald trugen die Hennen auf dem Arm aus dem Stall, befühlten Beine, sahen sich die Tiere, die sie rausholten, an und gaben oft schon am Telefon durch, um welche Art Verletzung es sich vermutlich handelte. Nach einiger Zeit wurden Tiere nicht mehr einfach aussortiert und bis zur Abholung wie ein kaputter Gegenstand gelagert, sondern mit Futter und Wasser versorgt.  Es wurde eine Krankenstation im Betrieb eingerichtet, in der auch Hennen separiert werden können, denen es nicht so schlecht geht, dass sie aussortiert und uns übergeben werden dürfen, die aber für einige Zeit dort bleiben und sich erholen oder behandelt werden können. Manchmal gelingt es Elisa auch, dem Farmleiter klar zu machen, dass diese Tiere trotz Besserung physisch oder psychisch nicht fit genug sind, um eine Rückkehr in die Anlage zu verkraften, so dass sie sie mitnehmen darf.
Der Vorgesetzte des Farmleiters ist mittlerweile involviert, weiß über die Vorgänge Bescheid und hat ausführliche Gespräche mit uns geführt. Er findet die Idee der Krankenstation und der Behandlung einzelner Individuen richtig und möchte uns auch weiterhin schwache und verletzte Tiere – in Zukunft so früh wie möglich- überlassen, damit sie eine Chance auf Leben haben.
 
 
Er versucht mit seinen Mitteln, die Einstallung der nächsten Junghennen durch intensive Gespräche und Schulung seiner Mitarbeiter und Rücksprache mit der Personalfirma der Leiharbeiter und den Leiharbeitern selbst zu verbessern. Er hat die Leitung des Betriebs noch nicht lange inne, war selbst sehr getroffen über die immensen Verletzungen, von denen wir ihm berichten mussten, und wir können nach unseren Gesprächen nur vertrauen, dass er es ernst meint und alles tun wird, damit so etwas in dem Ausmaß nicht wieder geschieht. Zudem wird er seine Angestellten anweisen, während der Einstallung schwache oder verletzte Tiere großzügig und gewissenhaft auszusortieren, so dass diese direkt in unsere Hände gegeben werden können und möglichst nicht erst in der Anlage landen.
 
Und wenn wir hier nun von Einstallung sprechen, wird uns das Herz auch
augenblicklich schwer, denn natürlich steht der neuen Einstallung die Ausstallung
der 100 000 Schwestern unserer Geretteten bevor.
 
Diese 100 000 Tiere, die wir in Gedanken ein Jahr lang begleitet haben, um die wir so viel geweint haben, von denen wir immer wussten, dass wir nur die wenigen, wenigen, allerschwächsten von ihnen während des Jahres retten können und dass allen anderen nach einem Jahr Gefangenschaft in dieser Hölle der Transport in den Tod bevorsteht. Sie werden kurz vor Ostern sterben, am Schlachtband in einem höllenhaften Schlachthof, nach einem weiteren grausamen Transport und nach einem Leben, in dem sie noch nie die Sonne gesehen haben und nicht einen lebenswerten Tag in Geborgenheit, Zufriedenheit und Frieden erleben durften. Das ist die bittere Realität und wir können NICHTS dagegen tun.
 
200 der Hennen dürfen wir noch kurz vor der Ausstallung abholen. Wenigstens 200 können wir noch retten. Zusätzlich natürlich die, die bis dahin noch als krank oder verletzt aussortiert werden. Und nachdem die Ausstalltrupps da waren, dürfen wir die Ställe nach den versteckten, übrig geblieben Hennen, die von den Ausstallern vergessen wurden, durchsuchen und auch diese noch mitnehmen.
 
 
An euch wenden wir uns nun mit folgenden Aufrufen:
 
Wir brauchen Lebensplätze für (optimistisch gerechnet) rund 250 Hennen, die wir Ende März vor und nach der großen Ausstallung retten können. Die Übergabe der Tiere wird in Hamburg und Kiel stattfinden.
Bitte wendet euch per Kontaktformular an unsere Ansprechpartnerinnen Janina oder Svenja, wenn ihr 2 oder mehr (maximale Abgabe 15 Tiere pro Platz) der Hennen bei euch ein Zuhause schenken könnt!
 
 
 
Wir brauchen Unterstützung und Pflegeplätze für die aussortierten, (auch schwer-) verletzten oder geschwächten Junghennen, die wir am Einstallungstag, vermutlich Mitte-Ende April, übernehmen können.
Dafür suchen wir belastbare, tierliebe Menschen, die eine oder mehr der Hennen aufnehmen, im Haus pflegen und weiterhin tierärztlich versorgen lassen können.
Um die tierärztliche Erstversorgung werden wir uns kümmern und auch bei weiteren Behandlungskosten unterstützen wir natürlich. Auch die Vermittlung in einen Endplatz nach der Genesung übernehmen wir, falls ihr das Tier nicht behalten könnt.
 
Um die verletzten Tiere nicht zu weit transportieren zu müssen, wären diese Pflegeplätze in Norddeutschland ideal (Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg).
Sollten wir hier nicht genügend Plätze finden, müssen wir auch über Transporte in andere Gebiete nachdenken.
 
Bitte meldet euch per Pflegeplatz-/Unterstützungs-Kontaktformular, wenn Ihr ein solches verletztes Tier aufnehmen könnt und/oder in Norddeutschland durch Transporte oder Tierarztfahrten helfen könnt.
 
 
Auch wenn Ihr keine Tiere aufnehmen könnt, könnt ihr helfen!
 
TEILT diesen Bericht, verbreitet ihn, lasst so viele Menschen wie möglich diese Bilder sehen und macht ihnen und euch klar:
 
Hier handelt es sich NICHT um einen Ausnahmefall! Wir haben nicht durch großen Zufall ausgerechnet einen schlimmen Fall, ein schwarzes Schaf unter den Betrieben entdeckt!
Wir sind vielmehr Zeuge der grauenvollen, millionenfach stattfindenden, alltäglichen Brutalität gegen Tiere geworden!
Hier handelt es sich um das, was TAGTÄGLICH, in Massentierställen, auf Tiertransporten und in Schlachthäusern geschieht!
Hier handelt es sich um das, was jeden Tag und überall in unserem Land legal und gesetzeskonform in kontrollierten, zertifizierten Betrieben mit namhaftem Ruf geschieht!
Hier handelt es sich um das, was Politik und Tierquallobby fördern und subventionieren.
Und hier handelt es sich um das, was jeder Verbraucher mit dem Kauf von Tierprodukten in Auftrag gibt!
 
Es gibt kein Produkt tierischen Ursprungs, hinter dem nicht unvorstellbares Tierleid steckt. Und wer nennt uns -im Angesicht dieser zu Tode gequälten Tiere - auch nur EIN Argument, mit dem der Kauf eines einzigen Eis, eines Liter Milchs oder eines Bissen Fleischs zu rechtfertigen wäre?
 
 
Euer Team von Rettet das Huhn e.V.
 
 
Rettet das Huhn e.V.
Postfach 100827
38408 Wolfsburg
 
Facebook
Instagram
YouTube
 
 
Diese E-Mail wurde an tierschutzwelt@t-online.de versandt.
Sie haben diese E-Mail erhalten, weil Sie sich auf Rettet das Huhn e.V. angemeldet haben.
 
 
Gesendet von
SendinBlue
 
 
© 2020 Rettet das Huhn e.V.